E-Trottis erobern die Deutschschweiz – aber vorläufig nicht die Kapellbrücke

Inhalt
Bericht
Lesedauer
3 Minuten
Veröffentlicht am
18. März 2021

Luzern entscheidet sich für ein Stadtbild ohne E-Trotti-Verleih: Zu oft steigen Fussgänger*innen statt Autofahrer*innen auf den E-Scooter um.

Marielle Heeb, Gesellschafts- und Kommunukationswissenschaften

In wenigen Minuten vom Rotsee zum Bahnhof – ohne für ein Taxi bezahlen oder die SBB-App auf dem Handy abrufen zu müssen: Mit den aktuell boomenden E-Trottinetts wäre dies möglich. Während Basel, Zürich, St. Gallen oder Winterthur bereits den Verleih von E-Scootern erlauben oder testen, tritt die Stadt Luzern aber auf die Bremse.

Obwohl sie das flächendeckende Fahrzeugverleihsystem gerade neu ausschreibt, werden E-Scooter dabei bewusst ausgeschlossen. Der Grund? «E-Scooter animieren in erster Linie Fussgängerinnen und Fussgänger zum Umstieg», erklärt der zuständige Projektleiter Markus Birrer auf Anfrage. Dies wolle die Stadt nicht aktiv fördern, weil das nicht zu ihrer Mobilitätsstrategie passe. Deshalb darf in Luzern auch zukünftig kein Verleih von E-Trottinetts stattfinden.

Anders sieht es bei E-Bikes mit Unterstützung von bis zu 25 Kilometern pro Stunde aus: Diese sollen mit der Ausschreibung im Herbst 2021 neben dem bereits bestehenden Veloverleih zusätzlich angeboten werden. E-Bikes würden das Umsteigen vom Auto aufs Velo fördern, heisst es auf der Webseite des Projekts.  Ein sogenannter «Free-Floating»-Betrieb, bei welchem die Fahrzeuge überall abgestellt werden können, wird aber nicht verfolgt. Solche Systeme hätten in anderen Städten oft mit einem negativen Image zu kämpfen.

Mit der geplanten Ausschreibung will die Stadt also unter Gleichbehandlung Nachfolger für das wachsende Geschäft des Veloverleihs «Nextbike» suchen. So sollen ab 2023 faire Wettbewerbsbedingungen für das Veloverleihsystem und den Velodienstbetrieb gelten.

Stadt erhielt mehrere Anfragen

Trotz des Neins seitens der Stadt sieht Projektleiter Birrer die neue Fortbewegungsmöglichkeit aber nicht zwingend als Trend, der bald wieder aus dem öffentlichen Interesse verschwinden wird. «Es ist gut möglich, dass E-Scooter auch in Zukunft einen Teil der Mobilität abdecken werden», sagt er. Anfragen zumindest erhält die Stadt viele. Wie viele genau kann sie nicht sagen.

Auch der europäische Marktführer «Voi» hat bereits an ihre Tür geklopft: Der Anbieter aus Skandinavien ist schon in Zürich, Winterthur, Basel und neu auch in Bern vertreten. «Wir sind sehr zufrieden mit der Schweiz», sagt PR-Manager Caspar Spinnen und lacht. «Vielleicht liegt der Erfolg auch daran, dass die Schweizer Städte schön zum Angucken sind».

E-Scooter sind Hype-Symbol – wollen es aber nicht bleiben

Gleichzeitig versteht Spinnen aber auch die Skepsis seitens der Stadt Luzern. Schuld dafür ist aus seiner Sicht vor allem die Medienwelle, welche durch Unfälle mit E-Scootern entstanden ist. Eine aktuelle Studie deute aber darauf hin, dass Fahrradunfälle oft schwerere Folgen haben, als solche mit E-Scootern, sagt er. Allgemein gibt es aber noch wenige Untersuchungen, welche die Unfallrisiken der neuen Fortbewegungsart abschliessend einschätzen können.

«Die E-Scooter sind halt prädestiniert als Hype-Symbol», so Spinnen. Doch der Trend, der vor allem mit neugierigen Gelegenheits-Nutzer*innen gestartet ist, hält immer mehr Einzug in das Fortbewegungsverhalten im Alltag der Bevölkerung. Klar würden die E-Scooter hauptsächlich Fusswege ersetzen, sagt er. Doch trotzdem würden sie zu Bewegung an der frischen Luft animieren – und hat man sich in der Gehdistanz mal überschätzt, so steht ein E-Scooter bestimmt nicht weit. Oft seien es auch ÖV-Benutzer*innen, die gerne mal auf das E-Trotti umsteigen.

Ausserdem gebe es gerade in seiner Generation viele, die zwar den Führerschein besitzen, aber nicht gerne Auto fahren. «Ich will meinen Führerschein gar nicht benutzen», sagt Spinnen. Grund dafür seien vor allem die verkehrsüberlasteten Innenstädte.

Verkehrsberuhigtere Städte erwartet

Und in Zukunft? «Schweizer Städte werden in 20 Jahren bestimmt viel verkehrsberuhigter sein», ist Spinnen überzeugt. Das sei schliesslich auch im Sinne der Bevölkerung.

Bis es so weit ist, gilt aber immer noch: Wer sich in Luzern auf zwei kleinen Rädern und einem wackeligen Trittbrett fortbewegen möchte, muss sich auch in Zukunft selbst ein E-Trotti anschaffen. Hierbei gelten die gleichen Regeln wie für Fahrräder. Erlaubt ist das Fahren höchstens mit 0,5 Promille – ein Helm wird empfohlen. Ab 16 Jahren dürfen die E-Trottis ohne Führerschein gefahren werden,14-Jährige müssen einen «Töffli-Ausweis» vorlegen können. Ausserdem können Bussen verteilt werden, wenn man zu zweit auf einem E-Trotti unterwegs ist.

Zeen is a next generation WordPress theme. It’s powerful, beautifully designed and comes with everything you need to engage your visitors and increase conversions.