Eine haarige Angelegenheit

Format
Bericht
Lesedauer
3 Minuten
Veröffentlicht am
10. März 2021

Nur auf dem Kopf dürfen die Haare spriessen, werden allerdings auch dort in Form gebracht durch Gel oder Haargummi. Weshalb sehnen sich die Menschen im 21. Jahrhundert nach einem haarlosen Körper? Und war das schon immer so? Eine Betrachtung der Körperbehaarung im Wandel der Zeit.

Ann-Kristin Blum, Rechtswissenschaften
Illustration: Darline Vainer, HSLU Digital Ideation

Grundsätzlich tragen alle Säugetiere Haare, sind aber nicht gleich stark behaart. Die Verteilung variiert sowohl zwischen den verschiedenen Spezies, als auch zwischen den Geschlechtern und während den unterschiedlichen Lebensabschnitten. Der Mensch ist am gesamten Körper behaart, mit Ausnahme der Handflächen, Fingerinnenseiten, Fusssohlen, Brustwarzen, Schleimhäuten und dem Lippenrot. Da die beiden biologischen Geschlechter unterschiedlich viele Hormone ausschütten, entwickelt sich die Körperbehaarung geschlechtsspezifisch. Das Ausmass der Körperbehaarung ist von den Genen, den Hormonen und dem Lebensalter abhängig.

Die menschliche Körperbehaarung hat viele verschiedene Aufgaben. Durch die Behaarung können schweissdrüsenreiche Körperstellen (z.B. an den Achseln) besser gekühlt werden, weil durch die Haare die Oberfläche vergrössert ist und der Schweiss leichter abgegeben werden kann. Da man durch mehr Haare besser schwitzen kann, können auch die körpereigenen Duftstoffe besser verteilt werden, was bei der Partnersuche von Vorteil ist. Im Genital- und Analbereich schützen die Schamhaare vor Reibung. Werden diese Stellen vollständig enthaart, kann es zu Hautreizungen führen. Die Haare sorgen dort aber auch für eine gesunde Intimflora und ein ausgewogenes Bakterienverhältnis.

Eine Geschichte der Körperbehaarung

Wenn sämtliche Körperbehaarung in biologischer Hinsicht unterstützend für das Überleben ist, oder zumindest Annehmlichkeiten bietet; weshalb die grossen Bemühungen, sie loszuwerden? Antworten darauf finden wir in der Geschichte der Körperbehaarung, welche wir uns nun anschauen.

Schon die Urmenschen versuchten sich zu enthaaren. Dies lässt sich anhand von Höhlenmalereien und gefundenen Muscheln und scharfen Steinen vermuten. Das hatte den Vorteil, dass sich der Körper mit getrimmten Haaren leichter reinigen liess. In den Hochkulturen Ägyptens und Mesopotamiens entfernten sich die Menschen die Haare, um die enorme Hitze besser zu ertragen. Sie rasierten sich sogar die Köpfe und trugen stattdessen Perücken. Sie nutzen scharf geschliffene Steine und Muscheln, Messer, sowie Pinzetten. Auch Bienenwachs, Harze und die arabische Enthaarungspaste Halawa aus Zucker waren weit verbreitet.

Im antiken Griechenland galten ein behaarter Körper und ein Bart als barbarisch und unzivilisiert. Sowohl Männer als auch Frauen rasierten sich komplett, um dem Ideal des göttlichen, haarlosen Körpers möglichst nahe zu kommen. Auch in Rom galt die Rasur als Zeichen der Zivilisation. Für die Enthaarung verwendeten sie oftmals Bimssteine, Messer, Wachs und grobe Handschuhe. Die meisten Bürger*innen waren am Körper rasiert, liessen die Schamhaare allerdings stehen.

Auch im Mittelalter sehnten sich viele Menschen nach glatten Körpern und wollten ihre Körperhaare loswerden. Es gab eine Fülle an Rezepten für haarentfernende Cremes mit fragwürdigen Inhaltsstoffen. In Europa zur Zeit der Hexenverfolgungen, wurden angeklagte Frauen rasiert, um ihnen ihre angeblich magischen Kräfte zu entziehen.

Ab ca. 1900 veränderte sich die westliche Damenmode und die Kleider wurden kürzer und freizügiger. Aus diesem Grund enthaarten sich die Frauen die nun sichtbaren Achseln und Beine. Zudem wurden die Strümpfe nicht mehr nur aus blickdichter Wolle oder Baumwolle hergestellt, sondern auch aus der durchsichtigen Viskose, wodurch die weiblichen Beine noch mehr entblösst wurden.

Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges breitete sich die Beinrasur sogar noch weiter aus, da es keine kunstseidenen Strümpfe mehr gab und die Frauen sich dennoch glatte Beine wünschten.

Wie steht es heute um die Körperbehaarung?

Sich nicht zu rasieren ist mittlerweile gesellschaftlich, vor allem bei Frauen, beinahe inakzeptabel. Dies gilt nicht nur in der westlichen Kultur. Auch in asiatischen und muslimischen Gesellschaften wird Haarlosigkeit als ästhetisch, erstrebenswert und hygienischer erachtet. Allerdings ist es ein Irrtum zu glauben, dass haarlose Haut immer hygienischer sei. Wichtiger als die Haarentfernung ist für die Körperhygiene die regelmässige Reinigung.

Es gibt trotz des grossen gesellschaftlichen Drucks zur Haarentfernung zunehmend mehr Menschen, welche sich gegen Körperhaarentfernung entscheiden. Teilweise wird dies aus Protest gegen gesellschaftliche Normen und Zwänge gemacht. Unser Ziel sollte sein, dass eines Tages die Menschen selber über sich, ihren Körper und ihre Körperbehaarung entscheiden können und dürfen, ohne Angst vor Hohn oder Ablehnung zu haben.

Die hier verwendeten und weitere Informationen findet ihr unter www.zwischenbetrachtung.dewww.jetzt.de, www.heute.at, www.menshealth.de und www.wikipedia.de.

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